Fastfood-Knigge I

Oft habe ich in meiner Zeit als Sandwich-Artist über einige Verhaltensweisen von Gästen die Stirn gerunzelt. In Gesprächen mit Freunden habe ich dann herausgefunden, dass gewisse Dinge ohne bösen Willen passieren. Deshalb habe ich mir überlegt, die häufigsten Ärgernisse mal  nach und nach hier aufzuzählen, in der Hoffnung, dass meine Nachfolger in dem Laden etwas davon haben.

Torschlusspanik…

Daran fehlt es leider vielen, die so 5 Minuten vor Ende nur noch mal schnell was zu essen haben möchten. Ist an sich nicht so das Ding, aber dann bitte, bitte zum Mitnehmen! Wenn ihr da um 22.20 Uhr reinkommt, sind die Leute schon seit dem späten Nachmittag am Arbeiten und haben noch mindestens eine Stunde Putzen vor sich, da zählt dann echt irgendwann jede Minute. An dieser Stelle nochmal liebe Grüße an meinen Freund, der immer so geduldig wach geblieben ist, wenn ich mal wieder länger gebraucht hab…

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Published in: on 12. Februar 2009 at 15:32  Schreibe einen Kommentar  

Die Aufklärung

Wer glaubt, ein Sandwich-Artist sei nur dazu da, Gemüse zu schneiden und Brote zu belegen, der irrt gewaltig. Auch in Fragen der Lebenshilfe stehen die Kollegen gern zur Verfügung, wie etwa bei den beiden jungen Herren, von denen diese Geschichte handelt (vermutlich waren sie so zwischen 14 und 15 und SEHR cool).

Während des ganzen Herstellungsprozesses von der Brotauswahl über das Gemüse zur Soße, waren die beiden schon kräftig dabei, mit meiner Kollegin zu flirten. Also, hier mal nur als Randbemerkung: Im Sandwichladen ist es wie in der Cocktailbar – die Frau hinterm Tresen kriegt man nicht und schon gar nicht, wenn man(n?) locker 8-9 Jahre jünger ist.

Kurz vorm Bezahlen unternahm der Eine aber dann doch noch einen letzten tomateverzweifelten Versuch: „Übrigens“, (er senkte natürlich seine seine Stimme etwas, um sie männlicher klingen zu lassen) „Übrigens, ich habe einen besonders tiefen Hals.“ Dabei schaute er sie verführerisch an. Sie blickte etwas irritiert zurück. „Mensch, da werden sich die Männer ja freuen.“ Dieser Satz wiederum ließ ihn  sehr fragend schauen. Seinem Kumpel schien die ganze Sache jetzt wohl doch ein bisschen unangenehm zu werden, jedenfalls meinte er dann ganz leise, sie sollten jetzt einfach gehen, er würde ihm den Rest später erklären.

Durch die Scheibe konnte wir dann begeistert mitverfolgen, wie er mit eindrucksvoller und ebenso eindeutiger Gestik erklärte, was sein Kumpel da gerade zu meiner Kollegin gesagt hatte. Immerhin hatte er jetzt wirklich was gelernt.

Published in: on 2. Februar 2009 at 11:42  Schreibe einen Kommentar  

Scharfe Schnitte

Heute mal ein kleiner Beitrag aus meiner Zeit als Sandwich-Artist (so die offizielle Berufsbezeichnung).

Bei Subway gibt es einen Stammkunden, der jeden Sonntag so gegen 21 Uhr kommt und immer die gleiche Soßenkombination bestellt:  Ganz wenig Southwest (die leicht scharfe, was ich schon als fiese Untertreibung empfinde) und dann ganz viel von der Louisiana Hot (ein echt teuflisches Zeug mit 70% Tabasco), dazu dann natürlich extra viel Pepperoni. Ich will einräumen, dass ich sehr empfindlich bin, was scharfes Essen angeht, aber dieses Sandwich erforderte meiner Meinung nach echt knallhartes Training.

scharf

Einmal kam er plötzlich schon am Freitag vorbei und bestellte  dann auch noch zwei Exemplare. Gerade bei dem Zweiten, das nicht für ihn sein konnte (vegetarisch – konnte gar nicht sein), war es ihm besonders wichtig, dass auch wirklich richtig viele Pepperoni und genug Tabasco draufkommen. Ich bin einfach mal davon ausgegangen, dass sich sein Verständnis von Geschmack mittlerweile etwas verschoben haben dürfte, also fragte ich ihn, ob er sich wirklich sicher sei.

Darauf er: „Klar, der ist für meine Frau und wer mich nach Feierabend nochmal losschickt, der muss leiden.“

Danach ist er nie wieder an einem Freitag gekommen und hat auch sonntags immer nur noch eins gekauft, aber immerhin, er hat ihre Reaktion überlebt!

Published in: on 27. Januar 2009 at 00:09  Comments (3)