Kinder, Kinder

Der folgende Beitrag ereignete sich kurz vor Weihnachten. Der Laden war den ganzen Tag über so voll, dass man zwischen den Scharen von Kunden kaum zu den Regalen vordringen konnte, um sie aufzufüllen. Ohne Übertreibung kann man diese Zeit als Ausnahmezustand betrachten und dementsprechend war die Stimmung unter den Kollegen natürlich auch auf dem Nullpunkt angelangt. Endlich, kurz vor Feierabend, leerte sich das Geschäft langsam und wir begannen, die Spuren der Schlacht zu beseitigen und die Kampfstätte für den nächsten Tag zu rüsten.

Während ich also vor den Regalen stand und diese wieder auffüllte, zupfte mich jemand am Pullover. Neben mir stand ein kleiner Junge, der seine Schwester an der Hand hielt, die mich etwas schüchtern ansah. Er zeigt auf einen Schokolandenweihnachtsmann bei uns im Schaufenster, der etwa die gleiche Größe seiner Schwester hatte. „Ähm, ich soll Sie von meiner Schwester fragen, ob der Weihnachtsmann tatsächlich ganz aus Schokolade ist.“ Nachdem ich bestätigt hatte, dass man den wirklich auch essen könnte, standen beide einige Zeit völlig gebannt davor. Irgendwann entfuhr es seiner Schwester: „Dafür braucht man aber bestimmt ein ganzes Jahr!“weihnachtsmann

Nachdem ich vorgeschlagen hatte, dass dann eben die ganze Familie helfen müsste, schien der Vater, der geduldig in der Tür wartete, einige Befürchtungen zu haben (das gute Stück sollte immerhin knapp 70€ kosten) und rief seine Kinder wieder zu sich. Allerdings musste er in den nächsten Tagen noch ein paar Mal mit den beiden vor dem Schaufenster anhalten.

Das alles war so niedlich, dass ich mich für den stressigen Tag fast schon wieder entschädigt fühlte. Gestern habe ich dann gesehen, dass wir auch einen Osterhasen in der Größe geliefert bekommen haben. Ich freu mich schon auf die nächsten staunenden Gesichter!

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Published in: on 6. Februar 2009 at 13:33  Comments (2)  

Die Aufklärung

Wer glaubt, ein Sandwich-Artist sei nur dazu da, Gemüse zu schneiden und Brote zu belegen, der irrt gewaltig. Auch in Fragen der Lebenshilfe stehen die Kollegen gern zur Verfügung, wie etwa bei den beiden jungen Herren, von denen diese Geschichte handelt (vermutlich waren sie so zwischen 14 und 15 und SEHR cool).

Während des ganzen Herstellungsprozesses von der Brotauswahl über das Gemüse zur Soße, waren die beiden schon kräftig dabei, mit meiner Kollegin zu flirten. Also, hier mal nur als Randbemerkung: Im Sandwichladen ist es wie in der Cocktailbar – die Frau hinterm Tresen kriegt man nicht und schon gar nicht, wenn man(n?) locker 8-9 Jahre jünger ist.

Kurz vorm Bezahlen unternahm der Eine aber dann doch noch einen letzten tomateverzweifelten Versuch: „Übrigens“, (er senkte natürlich seine seine Stimme etwas, um sie männlicher klingen zu lassen) „Übrigens, ich habe einen besonders tiefen Hals.“ Dabei schaute er sie verführerisch an. Sie blickte etwas irritiert zurück. „Mensch, da werden sich die Männer ja freuen.“ Dieser Satz wiederum ließ ihn  sehr fragend schauen. Seinem Kumpel schien die ganze Sache jetzt wohl doch ein bisschen unangenehm zu werden, jedenfalls meinte er dann ganz leise, sie sollten jetzt einfach gehen, er würde ihm den Rest später erklären.

Durch die Scheibe konnte wir dann begeistert mitverfolgen, wie er mit eindrucksvoller und ebenso eindeutiger Gestik erklärte, was sein Kumpel da gerade zu meiner Kollegin gesagt hatte. Immerhin hatte er jetzt wirklich was gelernt.

Published in: on 2. Februar 2009 at 11:42  Schreibe einen Kommentar  

Scharfe Schnitte

Heute mal ein kleiner Beitrag aus meiner Zeit als Sandwich-Artist (so die offizielle Berufsbezeichnung).

Bei Subway gibt es einen Stammkunden, der jeden Sonntag so gegen 21 Uhr kommt und immer die gleiche Soßenkombination bestellt:  Ganz wenig Southwest (die leicht scharfe, was ich schon als fiese Untertreibung empfinde) und dann ganz viel von der Louisiana Hot (ein echt teuflisches Zeug mit 70% Tabasco), dazu dann natürlich extra viel Pepperoni. Ich will einräumen, dass ich sehr empfindlich bin, was scharfes Essen angeht, aber dieses Sandwich erforderte meiner Meinung nach echt knallhartes Training.

scharf

Einmal kam er plötzlich schon am Freitag vorbei und bestellte  dann auch noch zwei Exemplare. Gerade bei dem Zweiten, das nicht für ihn sein konnte (vegetarisch – konnte gar nicht sein), war es ihm besonders wichtig, dass auch wirklich richtig viele Pepperoni und genug Tabasco draufkommen. Ich bin einfach mal davon ausgegangen, dass sich sein Verständnis von Geschmack mittlerweile etwas verschoben haben dürfte, also fragte ich ihn, ob er sich wirklich sicher sei.

Darauf er: „Klar, der ist für meine Frau und wer mich nach Feierabend nochmal losschickt, der muss leiden.“

Danach ist er nie wieder an einem Freitag gekommen und hat auch sonntags immer nur noch eins gekauft, aber immerhin, er hat ihre Reaktion überlebt!

Published in: on 27. Januar 2009 at 00:09  Comments (3)  

Der Kunde ist König

Wie ich bereits angedeutet habe, frage ich mich ab und an doch, was mich in grauer Vorzeit bewegt hat, mit Kunden zu tun haben zu wollen. Hier ist so eine Geschichte, die mich mal wieder stark an meiner Entscheidung zweifeln ließ:

Der Laden, in dem ich arbeite, ist für sehr hochwertige Produkte ausgelegt. So liegt die günstigste Tafel Schokolade, die wir haben bei ca. 2,30 € (100  g versteht sich) und das Ganze geht dann hoch bis 9,50 € – dafür gibt’s dann allerdings auch 115 g. Dementsprechend erwarten die Kunden auch einen gewissen Standard beim Service, den sie meines Erachtens auch bekommen. Nur… einigen reicht es dann eben doch noch nicht so ganz.

schokolikor

Stellen wir uns also folgendes Szenario vor. Ein recht stattlicher Herr betritt den Laden, baut sich direkt vor mir auf und begrüßt mich mit folgenden Worten:

Kunde: „Wo kann ich mich denn hier beschweren?“

Ich (fühle mich plötzlich sehr als Krümel, bleibe aber freundlich): „Bei mir. Waren Sie mit einem unserer Produkte nicht zufrieden?“

Kunde: „Ich habe hier vor einigen Tagen einen Schokoladenlikör gekauft und der war ranzig. Da kann ich ja wohl erwarten, mein Geld zurück zu bekommen!“

Ich (bin schon etwas angefressen über die Art, kann aber noch zuvorkommend lächeln): “ Aber selbstverständlich. Haben Sie die Flasche denn dabei?“

Er: „Natürlich nicht. Hab ich alles an meine Gäste ausgeschenkt und jetzt ist die Flasche leer.  Sowas schlepp ich doch nicht mit mir rum.“

Ich (habe ihm in Gedanken schon mit seinem eigenen Seidenschal geknebelt): “ Das heißt, die Flasche haben Sie auch weggeworfen. Haben Sie denn den Bon dabei?“

Er: „Ich bin kundiger Verbraucher und kenne meine Rechte. Für Reklamationen brauche ich keinen Bon!“

Ich (zwinge mich zu einem GANZ RUHIGEN und freundlichen Ton): „Der Bon ist nicht immer erforderlich, aber ich bräuchte schon einen Beleg dafür, dass Sie den Likör auch hier gekauft haben.“

Er: „Holen Sie doch mal bitte den Filialleiter!“

Ich: „Es tut mir sehr Leid, aber die Chefin hat heute frei!“

Er: „Dann rufen Sie sie an!!“

Ich denke ganz fest an die Pinguine aus dem Film „Madagascar“ : Lächeln und winken, Männer, lächeln und winken. Dann beschließe ich, dass nun der Punkt gekommen ist, die Verantwortung vom Krümel auf den Keks zu übergeben und rufe meine Chefin an. Ich erzähle ihr kurz, worum es geht und sie verlangt ihn ans Telefon. Was folgt sind ungefähr 15 Minuten hitzige Diskussionen, mit denen er den ganzen Laden unterhält. Am Ende spreche ich wieder mit ihr und ich soll die Bereichsleitung anrufen.

(Anmerkung des Autors: Der Keks gibt hiermit die Verantwortung an den Kuchen ab.)

Nach einem Anruf bei der Bereichsleitung, welche auch die Ehre hat, ein längeres Gespräch mit dem Herrn zu führen, kriege ich die resigniert-entnervte Anweisung: „Geben Sie ihm das Geld. Der Kunde ist König.“

Und worum ging es letztendlich? 8,40 €!!

idefix1

Published in: on 23. Januar 2009 at 00:48  Comments (2)  

Hello world….

Mit diesen Worten begrüßte mich vor einigen Tagen mein erstes eigenes Blog. Nun hat das web 2.0 also selbst mich erreicht und das, obwohl ich bereits mittelschwere Freudentänze aufführe, wenn ich es geschafft habe, meine Stereoanlage mit meinem Fernseher zu verbinden, aber das ist wohl eine andere Geschichte……

Wie kam es nun also zu diesem Sinneswandel? Dazu muss man wissen, dass ich mein Studium mittlerweile größtenteils durch Nebenjobs finanziere und hierbei für mich eigentlich immer nur der Servicebereich in Frage kam. Manchmal wird sich der geneigte Leser dieses Blogs – spätestens nach der einen oder anderen Geschichte –  sicherlich fragen, warum dies so ist und ehrlich gesagt frage ich es mich dann und wann auch. Dies also vorweg: Grundsätzlich habe ich großen Spaß an Kundenkontakt, denn vor allem die Kunden sorgen dafür, dass meine Arbeit nicht in stumpfe Routine abgleitet, sondern jeden Tag etwas Neues bereit hält. Hier und da ist es jedoch ein bisschen zuviel der Abwechslung…

Manchmal erlebe ich Dinge, von denen ich glaube, dass sie es wert sind, die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen –  und hier kommt dann dieses Blog ins Spiel. An dieser Stelle werden sich sicherlich diverse Geschichten aus dem täglichen Arbeitswahnsinn wieder finden und was sonst noch kommt, wird sich herausstellen. Seid gespannt, ich bin es auch!

Wie kam es nun aber zu diesem bezeichnenden Namen? Da ich derzeit in einem kleinen Schokoladengeschäft arbeite, war der erste Einfall „Das Schokoblog“. Dies wäre vom Thema allerdings zu festgelegt gewesen und ich habe auch in meinem anderen Job so viele schöne Dinge erlebt und gesehen, die ich loswerden muss. Damit schied dieser Name also aus. Mein Freund brachte mich dann auf das „Krümelblog“ – ich als kleiner Krümel im übermächtigen Dienstleistungssektor. Nach kurzem Überlegen fielen mir hierzu noch mehrere Parallelen zu meinem Leben auf: Bei meiner stolzen Größe von 1,64 m und dazu einer recht zierlichen Figur fällt auch hier der Vergleich mit einem Krümel nicht schwer. Zu guter Letzt habe ich recht lange Zeit bei Subway gearbeitet, sodass die Krümel auch da mein ständiger Begleiter waren. Einige Träumereien, die mit „Eigentlich müsste man mal…“ begannen und viele Zaudereien später und mein Blog war geboren.

Hier ist es nun also und mir bleibt nur noch, mich selbst zu zitieren: „Seid gespannt, ich bin es auch!“

Published in: on 21. Januar 2009 at 08:46  Comments (3)